AKTIONSSEITE gegen Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss

Grafik Kinderhand in Erwachsenenhand

Bevor entschieden wird, sollten die Entscheider:innen wissen, wen es trifft

Die Bundesregierung plant, den Unterhaltsvorschuss für Jugendliche ab 16 Jahren zu streichen. Begründet wird das mit knappen Kassen, vor allem in den Kommunen. Doch hinter Haushaltszahlen stehen Menschen. Deshalb haben wir gemeinsam mit dem Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) die Aktion „Das sind die Menschen, über die Sie bestimmen“ gestartet.

Auf einer eigenen Aktionsseite – https://unterhaltsvorschuss.alltagsheldinnen.org/ – erzählen 16 Alleinerziehende ihre Geschichte: Da ist Ramona, deren Ex-Partner sich seit Jahren arm rechnet, aber ein neues Auto fährt, während der Staat bei ihm keinen Cent zurückholt. Da sind Sandra und Silke, die als Witwen allein für ihre Kinder sorgen. Da ist Britta, die nach einer Gewaltbeziehung mit zwei Müllsäcken und den Kindern an der Hand ein neues Leben aufbaut. Und da ist Daniel, alleinerziehender Vater zweier Töchter, der zeigt: Es trifft nicht nur Mütter.

Die Geschichten stammen aus der Instagram-Community von Steffi Dellmann, Sozialarbeiterin und selbst alleinerziehend. Sie sind echt, wurden von den Betroffenen selbst erzählt und mit deren Einverständnis veröffentlicht. Zum Schutz der Menschen haben wir die Namen geändert. Eines haben alle gemeinsam: Keine dieser Geschichten taucht im Haushaltsentwurf auf.

Was die Kürzung bedeuten würde

Für Jugendliche ab 16 fallen im Höchstfall 394 Euro im Monat weg. Geld, das für den Verein, die Klassenfahrt oder die Dinge gebraucht wird, die für Gleichaltrige selbstverständlich sind. Zugleich steigt der Druck, früh selbst Geld zu verdienen, statt einen höheren Abschluss anzustreben. Wer Bildungsteilhabe erschwert, verengt Zukunftschancen, gerade bei Kindern, die ohnehin überdurchschnittlich oft von Armut betroffen sind.

Dabei springt der Staat mit dem Unterhaltsvorschuss nur ein, wenn der unterhaltspflichtige Elternteil nicht zahlt. Und genau hier liegt das eigentliche Problem:

  • Nur 17,9 Prozent der ausgezahlten Beträge holt der Staat von den Unterhaltspflichtigen zurück. Über 80 Prozent bleiben liegen.
  • Die offenen Forderungen gegenüber Unterhaltspflichtigen summieren sich auf 6,5 Milliarden Euro. (Quelle: UVG-Geschäftsstatistik des Bundesfamilienministeriums für 2025)

Statt konsequenter bei denen zuzugreifen, die ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, soll bei den Kindern gespart werden. Und der Hinweis, Alleinerziehende sollten eben mehr arbeiten, geht an der Realität vorbei: Alleinerziehende Mütter arbeiten laut Statistischem Bundesamt mit 38,6 Prozent deutlich häufiger in Vollzeit als Mütter in Paarfamilien (30,7 Prozent).

Unsere Forderungen
  • Keine Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss. Er muss weiterhin bis zum 18. Geburtstag gezahlt werden.
  • Koalitionsvertrag einhalten: nur noch hälftige Anrechnung des Kindergeldes auf den Unterhaltsvorschuss.
  • Wirksamer Rückgriff bei Unterhaltspflichtigen, die nicht zahlen. Sie dürfen sich nicht länger aus der Verantwortung stehlen.
So könnt ihr mitmachen

Ihr seid selbst betroffen oder wollt solidarisch mitgehen? Dann unterstützt die Aktion:

  1. Lest die Geschichten auf der Aktionsseite: unterhaltsvorschuss.alltagsheldinnen.org
  2. Schickt eine Mail mit dem Link zur Seite an die Bundestagsabgeordneten eures Wahlkreises (zu finden über die Abgeordnetensuche auf mitmischen.de).
  3. Teilt die Aktion in euren Netzwerken.
  4. Unterzeichnet zusätzlich die Petition „Unterhaltsvorschuss nicht streichen!“ des VAMV, die wir als Erstunterzeichnerin unterstützen.

Die Aktion wird getragen von der Stiftung Alltagsheld:innen und dem VAMV, unterstützt von SHIA, Solomütter, Fair für Kinder und amuvee.

Fotos: Susanne Troll für die Stiftung Alltagsheld:innen · Illustration: Anne Albert, Kombinatrotweiss